Sessionsrückblick Herbstsession 2026

Liebe Leserschaft

Da bin ich wieder mit meinem Rückblick – und diesmal mit einem kleinen Kloss im Hals. Denn dieser Bericht ist bis Ende Legislatur der letzte in dieser ausführlichen, schriftlichen Form. Warum? Wenn alles «usanzgemäss» läuft (Ihr kennt dieses Wort inzwischen fast so gut wie ich …), werde ich am 30. November 2026 zur Nationalratspräsidentin gewählt. Und dann gehört mein Kalender nicht mehr ganz mir, sondern dem Amt. Für lange Texte am letzten Sessionstag wird schlicht die Zeit fehlen.

Aber keine Sorge: So leicht werdet Ihr mich nicht los. Dazu am Schluss mehr.


Was im Ratssaal lief

Die grossen Linien dieser Session kennt Ihr aus den Medien: Im Ständerat lief die Monsterdebatte über das neue Vertragspaket mit der EU, bei uns im Nationalrat ging es unter anderem um das Inklusionsgesetz, die Lex Koller und die Reservekraftwerke. Den Überblick verlinke ich Euch wie immer am Schluss.

Eine Rubrik «Eigene Vorstösse» sucht Ihr diesmal vergeblich. Sie hat sich in die Ferien verabschiedet – bis Ende Legislatur. Wer bald die Glocke läutet, sollte nicht gleichzeitig am Mikrofon für die eigenen Anliegen kämpfen.

Vom Rednerpult auf den Bock

Ein paar letzte Male stand ich noch als Fraktionssprecherin am Rednerpult. Das hatte etwas von der letzten Pfadiübung vor der Leitungsübergabe: Man macht es mit voller Überzeugung und merkt gleichzeitig, dass sich ein Kapitel schliesst.

Umso öfter sass ich dafür oben auf dem «Bock». Ich habe den Präsidenten mehrfach bei der Sitzungsleitung abgelöst und Abstimmungen durchgeführt. Die Schweiz hat auch das wieder schadlos überstanden. Und für alle, die sich seit dem Frühling Sorgen machen: Ich bin kein einziges Mal unter dem Tisch verschwunden. Der Fussschemel hat sich bewährt.

Die Welt zu Gast im Bundeshaus

Mit dem neuen Hut kommen auch neue Begegnungen – und die haben diese Session so richtig Fahrt aufgenommen.

🇻🇳 Ich durfte die Vizepräsidentin des vietnamesischen Parlaments mit einer grossen Delegation empfangen. Wir haben über die Zusammenarbeit unserer beiden Länder diskutiert. Bei einer Delegation dieser Grösse lernt man übrigens schnell: Händeschütteln ist eine Ausdauersportart.

🇮🇪 Mit der irischen Botschafterin habe ich mich über gemeinsame Interessen unserer beiden Länder ausgetauscht. Zwei kleine, offene Volkswirtschaften in Europa – da gibt es mehr Gemeinsamkeiten, als man zwischen Riehen und Dublin vermuten würde.

🇺🇦 Am Ukraine-Forum durfte ich im Namen des Parlaments das Grusswort überbringen. Das ist einer jener Momente, in denen einem die Leichtigkeit für einmal vergeht. Umso wichtiger ist es mir, dass die Schweiz dort Präsenz und Haltung zeigt.

Heimspiel in Bern

Besonders gefreut hat mich der Besuch des Ratsbüros des Grossen Rats Basel-Stadt im Bundeshaus. Eingeladen hatte Ständeratspräsident Stefan Engler. Basel in Bern – das fühlt sich an wie ein Heimspiel auf fremdem Rasen. Es gab viel Austausch, viele Begegnungen und das eine oder andere vertraute «Baseldytsch» in der Wandelhalle.

Dazu kamen wieder mehrere Schulklassen, die ich empfangen habe und mit denen ich mich persönlich ausgetauscht habe. Mein Standardsatz gilt weiterhin: Ihr dürft mir alle Fragen stellen – ob Ihr auf alle eine Antwort bekommt, ist eine andere Frage. Die Jugendlichen haben es wie immer sportlich genommen.

Und natürlich war ich auch an diversen Anlässen unterwegs, unter anderem als Co-Präsidentin verschiedener parlamentarischer Gruppen. Ihr kennt das inzwischen: Mittag, Abend, dazwischen noch ein Apéro. Vitamin D bleibt Mangelware.

Bitte lächeln!

Im Juni habe ich Euch mit einem «Ufff!» vom bevorstehenden Fototermin erzählt. Nun ist er Geschichte: Das offizielle Foto für das Präsidialjahr ist im Kasten. Wie viele Anläufe es brauchte, bis Lächeln, Blick und Frisur gleichzeitig kooperierten, bleibt ein Staatsgeheimnis. Das Resultat seht Ihr – wenn alles usanzgemäss läuft – ab Dezember.

Mit Blick nach Rom

Ein besonderes Treffen hatte ich mit Oberst Christoph Graf, Kommandant der Päpstlichen Schweizergarde. Es ging ums Kennenlernen im Hinblick auf den 6. Mai 2027 in Rom, den Tag der Vereidigung der neuen Gardisten. 2027 ist dieses Datum besonders: Es jährt sich zum 500. Mal der Sacco di Roma, an dem die Garde 1527 den Papst verteidigte. Ich darf schon jetzt verraten: Eine Hellebarde werde ich nicht tragen.

Countdown im Hintergrund

Und dann war da noch das, was Ihr nicht seht, was aber am meisten Zeit frisst: die Vorbereitungen auf das Präsidialjahr. Mit meinem persönlichen Mitarbeiter stand ich in engem, ja fast pausenlosem Austausch. Mein Kalender 2027 füllt sich inzwischen schneller als eine Basler Beiz am Morgestraich. Das Jahr hat noch nicht einmal angefangen, und es ist schon ziemlich voll. Ich nehme das als gutes Zeichen.


Abschied von einem Format – nicht von Euch

Seit 2019 schreibe ich Euch nach jeder Session. Danke, dass Ihr so treu mitgelesen, kommentiert und mir geschrieben habt. Das hat mich immer wieder motiviert.

Ab jetzt wird es kürzer, bunter und öfter: Begleitet mich durchs Präsidialjahr auf meinen Social-Media-Kanälen. Dort nehme ich Euch regelmässig mit – auch hinter die Kulissen, dorthin, wo sonst keine Kamera hinkommt. Wie sitzt es sich auf dem Präsidentenstuhl? Was passiert vor einem Staatsbesuch? Und wie viele Hände schüttelt man eigentlich an einem einzigen Tag? Ihr werdet es erfahren.

Und am 2. Dezember sehen wir uns hoffentlich persönlich in Basel und Riehen – Ihr wisst schon: wenn alles usanzgemäss läuft.

Wer noch nachlesen möchte, was wir im Parlament entschieden und abgelehnt haben, findet hier wie immer den Überblick von SRF über die Herbstsession.

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen goldenen Herbst!

Stay tuned … ab jetzt auf allen Kanälen!

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