Vorstoss zur Energieeffizienz: Es geht nicht darum, Energie zu sparen, sondern darum, keine zu verschwenden!

«Füllen Sie die Pfanne nur fingerhoch mit Wasser, legen Sie einen Deckel darauf, schalten Sie beim Siedepunkt den Herd aus und nutzen die Restwärme.» So hat 1988 unser damaliger Energieminister Adolf Ogi am Fernsehen demonstriert, wie man Eier effizient kocht und dabei Energie spart. Die «Ogi-Methode» bleibt bis heute ungeschlagen – ausser man verwendet einen Eierkocher. Trotzdem gibt es wohl kaum etwas, das nach 34 Jahren – anstatt total aus der Zeit gefallen – an Aktualität nicht zu überbieten ist. Wir tun uns schwer mit der Notwendigkeit, Energie zu sparen. Dabei geht es eigentlich darum, KEINE zu verschwenden.

Betrieb ohne Nutzen

Stellen Sie sich vor: Jeder dritte Bissen Ihres Essens fällt von der Gabel direkt in den Müll. Genauso verhält es sich mit unserem Energiekonsum: Rund ein Drittel verpufft einfach, weil Geräte eingeschaltet sind, ohne dass sie jemand benutzt, weil die Eier falsch gekocht werden. Betrieb ohne Nutzen heisst diese Art von Verschwendung.

Während wir Lebensmittelverschwendung mittlerweile als Problem wahrnehmen, geht es uns mit der Energie noch kaum so – wohl weil sie meist unsichtbar und eigentlich ständig verfügbar ist. Insgesamt könnten wir ohne Komfortverluste mit einem Drittel der Energie auskommen. Diese Ineffizienz schlägt volkswirtschaftlich zu Buche: Gemäss der Schweizerischen Energie-Stiftung bezahlen Wirtschaft, Haushalte und öffentliche Hand pro Jahr rund 10 Milliarden Franken für Energieverluste.

Der Bericht des UVEK vom 8. Februar 2022 «Potenzial und Massnahmen zur Steigerung der Stromeffizienz bis 2022» (PDF) zeigt auf, dass mit zusätzlichen Stromeffizienzmassnahmen des Bundes bis 2025 Stromeinsparungen von rund 200 GWh erzielt werden können, die jährlich ansteigen. 2030 sparen dieselben Massnahmen 700 GWh ein und über die gesamte Lebensdauer 7.7 TWh. Bei dieser Analyse seien nur Massnahmen geprüft worden, die keine grösseren gesetzlichen oder gar verfassungsrechtlichen Anpassungen verlangen.

Drohende Strommangellage

Als ich am 18. März 2022 die Motion 22.3336 «Mehr Energieunabhängigkeit durch weniger Energieverschwendung. Energieeffizienzpotenzial ausschöpfen» eingereicht habe, war noch nicht von einer akut drohenden Strommangellage die Rede. Der aktuelle Krieg in der Ukraine, die Folgen eines trockenen Sommers, die AKW-Ausfälle in Frankreich sowie ein fehlendes Stromabkommen mit der EU zeigen uns nun aber eindrücklich, dass unsere Abhängigkeit von ausländischen fossilen Brennstoffen uns empfindlich trifft. Wenn die Strompreise so weitersteigen, könnte irgendwann sogar das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr bezahlbar sein.

Die billigste und umweltfreundlichste Energie aber ist die, die wir nicht verbrauchen und deshalb gar nicht erst produzieren müssen. Energieeffizienz muss daher ein wesentlicher Pfeiler der Schweizer Energiestrategie sein, vor allem aber ist sie DIE konkrete Antwort auf die aktuelle Strommangellage!

Es braucht ambitioniertere Effizienz-Ziele

Wir brauchen dringend zusätzliche Anstrengungen auf allen Ebenen. Ambitioniertere Effizienz-Ziele leisten einen substanziellen oder gar den entscheidenden Beitrag, dem Winter mit einem blauen Auge aber mit warmen Füssen davonzukommen. Es bietet sich daher an, die bewährten Energieeffizienz-Programme grundsätzlich weiterzuführen, dabei aber sowohl die Ziele ambitionierter zu setzen wie auch inhaltliche Anpassungen rasch vorzunehmen, um Tempo und Wirksamkeit auf dem eingeschlagenen Weg zu erhöhen.

Ich bin gespannt, ob der Nationalrat meiner Motion am kommenden Montag, 26. September 2022 Folge gibt!

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